Verfall, Niedergang, Staatsversagen ... Viele solcher
Beurteilungen begegnen uns wenn wir die Aussagen europäischer Beobachter des
osmanischen Reiches im 19. Jahrhundert näher betrachten. Das alte Reich hatte
seine Pracht verloren, vorbei waren die Zeiten grenzenloser, orientalischer
Verschwendungssucht: 1875 war der osmanische Staat bankrott. Weltpolitisch
gesehen war man in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht, und da das
multi-ethnische Imperium militärisch nicht mehr zu kontrollieren war, wagten
immer mehr Völker den Schritt in die Unabhängigkeit. Reformversuche wurden
unternommen, westeuropäische Modernisierungsprinzipien nachgeahmt. Doch nichts
konnte das Ende abwenden. Hatte das alte Modell des zentralistisch regierten
Vielvölkerstaates einfach ausgedient, oder waren fremde Mächte am
Werk?
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